Anything but Chardonnay? Dann verpassen Sie etwas!
Chardonnay ist nicht nur eine der bekanntesten, sondern mit über 200.000 Hektar weltweit die zweitmeist angebaute weiße Rebsorte der Welt. Als „König der Weißweinreben" vereint sie außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit mit einem nahezu unbegrenzten stilistischen Potenzial. Diese Vielseitigkeit war jedoch nicht immer ein Segen: In den frühen 1990er Jahren prägten üppige, oft übereichte Chardonnays aus Kalifornien das Bild der Sorte und führten zur „ABC-Bewegung" (Anything but Chardonnay). Heute haben sich die Weine dramatisch weiterentwickelt. Wer sich noch immer von diesem alten Spruch leiten lässt, verpasst nicht nur einige der größten Weißweine aus dem Burgund, sondern auch eine internationale Renaissance dieser edlen Rebsorte.
Inhalte
Wissenswertes
Herkunft und Genetik: Eine natürliche Kreuzung zwischen Pinot Noir und Gouais Blanc, die ihren Ursprung im Burgund hat. DNA-Analysen bestätigten diese Abstammung erst im Jahr 1999.
Bedeutende Anbauregionen: Burgund/Chablis (Frankreich), Champagne (Frankreich), Central Coast & Sonoma County (Kalifornien), Adelaide Hills & Margaret River (Australien), Casablanca Valley (Chile), Walker Bay (Südafrika), Friuli & Alto Adige (Italien), Steiermark (Österreich)
Weltweite Anbaufläche: Etwa 200.000-220.000 Hektar (Deutschland: circa 1.400 Hektar, hauptsächlich in Baden und der Pfalz)
Bedeutende Erzeuger:
- Burgund: Domaine de la Romanée-Conti, Louis Jadot, Olivier Leflaive, Domaine Leflaive, Joseph Drouhin
- Chablis: William Fèvre, Louis Michel, Domaine Laroche
- Kalifornien: Kistler, Aubert, Peter Michael, Rombauer, Kendall-Jackson
- Australien: Leeuwin Estate, Giaconda, Tyrrell's, Penfolds
- Chile: Errazuriz, Santa Rita, Montes
Ausbau und Reifung: Klassische Burgunder reifen 10-18 Monate in französischen Barriques (20-50% neues Holz), während moderne Stile oft auf Edelstahl oder große Holzfässer setzen. Batonnage (Hefelager-Aufwirbelung) verstärkt die Cremigkeit und Komplexität.
Alkoholgehalt: 12,5-14,5% vol., wobei kühlere Klimazonen wie Chablis niedrigere Werte (12,5-13,5%) und wärmere Regionen wie Kalifornien höhere Alkoholgrade (13,5-14,5%) hervorbringen.
Worin ist Chardonnay enthalten?
Chardonnay ist eine der drei Sorten in Champagner und wird auch in vielen anderen Schaumweinen verwendet. Außerdem bringt Sie im Burgund einige der größten Weißweine überhaupt hervor. Namen wie Chablis, Montrachet und Meursault sorgen dafür, dass die Herzen von Weinliebhabern höher schlagen.
Wie schmeckt Chardonnay?
Chardonnay zeigt je nach Terroir und Vinifikation ein außergewöhnlich variables Aromaspektrum. Jung und frisch bestechen Chardonnays mit Aromen von Birne, Melone, Apfel und exotischen Früchten. Die primären Fruchtaromen reichen von grünen Äpfeln und Zitrusfrüchten aus kühlerem Klima bis zu Ananas, Mango und anderen tropischen Früchten in wärmeren Regionen.
Primäre Aromen
Sekundäre Aromen
Tannine:
Säure:
Körper:
Einfluss der Vinifikation
Der Ausbau hat einen entscheidenden Einfluss auf den Charakter der Weine.
Edelstahltank: Betont Frische, Mineralität und klare Fruchtaromen. Typisch für Chablis oder moderne deutsche Interpretationen.
Holzfass: Barrique-Ausbau ergänzt die Fruchtaromen durch Noten von Butter, Brioche, Nuss und Vanille. Die malolaktische Gärung wandelt frische Apfelsäure in mildere Milchsäure um und verleiht eine cremige, buttrige Textur.
Battonage: Das Aufrühren der Hefe während der Reifung intensiviert die cremige Textur und fügt komplexe Hefearomen hinzu.
Regionale Charakteristika
Klassische Burgunder: Mineral, elegant, mit feinen Fruchtaromen von Birne und Apfel, unterlegt von Zitrusnoten und einer präzisen Säurestruktur.
Chablis: Dieser burgundische Chardonnay besticht durch kristalline Reinheit und unverwechselbare Mineralität. Geprägt von fossilen Kalkböden entfaltet er Aromen von frischen Austernschalen, knackigen grünen Äpfeln und Zitrusschale.
Kalifornien: Üppiger, mit reifen tropischen Früchten, höherem Alkohol und oft deutlicheren Eichennoten von Vanille und Karamell.
Australien: Von der Mineralität der Adelaide Hills bis zur Wucht des Hunter Valley, australische Chardonnays zeigen die ganze Bandbreite von frisch-elegant bis kraftvoll-opulent.
Klimatische Einflüsse und Terroir
Chardonnay gedeiht auf unterschiedlichsten Standorten und bringt dabei die Besonderheiten des Terroirs besonders gut zum Ausdruck. Am besten entfaltet sich die Sorte auf tiefgründigen, kalkhaltigen und warmen Böden. Die Rebe zeigt gute Winterhärte und ist relativ unempfindlich gegenüber Krankheiten, lediglich die dünnen Beerenschalen begünstigen Botrytisbildung.
Das Klima beeinflusst den Stil erheblich: Kühle Regionen wie Chablis oder die deutschen Anbaugebiete betonen Mineralität und Säure, während warme Zonen wie Kalifornien oder Australien körperreichere Weine mit exotischer Aromatik hervorbringen. Diese Anpassungsfähigkeit macht Chardonnay auch angesichts des Klimawandels zu einer zukunftsfähigen Sorte.
Stilvielfalt und moderne Ausbauarten
Der Wandel der Stile
Hatten vor 30 Jahren zu viel Reife und Holz den Chardonnay in eine Identitätskrise gestürzt, suchen Winzer heute nach purer Geradlinigkeit und Knackigkeit. Moderne Chardonnays zeigen sich zunehmend puristisch, mit dezenterem Holzeinsatz und betonter Mineralität.
Aktuelle Trends
Minimaler Holzeinsatz: Große, gebrauchte Fässer statt neuer Barriques für mehr Finesse.
Spontangärung: Natürliche Hefen betonen Terroir-Ausdruck und Komplexität.
Teilweise malolaktische Gärung: Für Balance zwischen Frische und Cremigkeit.
Hefelagerung ohne Battonage: Für Textur ohne dominante Hefenoten.
Herkunft und genetische Identität
Chardonnay ist eine natürliche Kreuzung aus Pinot Noir (Spätburgunder) und Gouais Blanc (Weißer Heunisch). Diese genetische Verbindung zur Burgunderfamilie verleiht der Sorte sowohl Kraft als auch Eleganz. Das gleichnamige Dorf Chardonnay im Maconnais gilt als Namensgeber der Rebsorte, deren Ursprünge tief im französischen Burgund verwurzelt sind. Hier wurde sie bereits seit Jahrhunderten von Klöstern kultiviert und verfeinert.
Die ampelografische Ähnlichkeit zum Weißburgunder sorgte lange für Verwirrung. In Italien wurde Chardonnay bis in die 1980er Jahre als Pinot Bianco vermarktet, in Südtirol sogar als „Gelber Weißburgunder". Erst 1999 erkannte Österreich nach DNA-Analysen den Weißburgunder als eigenständige Rebsorte an, obwohl man in der Steiermark Chardonnay schon lange unter dem Namen Morillon schätzte.
Weltweite Verbreitung und bedeutende Anbaugebiete
Frankreich: Die Heimat des Chardonnay
Frankreich beherbergt etwa ein Viertel der weltweiten Chardonnay-Bestände. Diese konzentrieren sich vornehmlich auf Burgund und Champagne. Die berühmtesten Burgund-Appellationen sind Puligny-Montrachet, Meursault, Corton-Charlemagne und Chablis. Der Montrachet gilt als namhafteste aller Chardonnay-Lagen. Alexandre Dumas der Ältere sagte einst: „Wein aus Montrachet muss man auf Knien und mit gezogenem Hut trinken".
In der Champagne, insbesondere an der Côte des Blancs, findet sich die Hälfte der französischen Chardonnay-Bestände auf dafür idealen Belemnit-Kreideböden. Hier entstehen die Grundweine für Champagner, in Cuvées wie in sortenreinen Blanc de Blancs.
Auch in weniger bekannten Regionen wie dem Languedoc, wo Chardonnay in den Vin de Pays d'Oc einfließt, oder im Jura als Partner von Savagnin, zeigt die Sorte ihre Wandlungsfähigkeit.
Deutschland: Erfolgsgeschichte seit 1991
Seit der offiziellen Zulassung 1991 ist Chardonnay von null auf 2.900 Hektar gewachsen und belegt damit Platz sechs unter den deutschen Weißweinrebsorten. Die größten Bestände finden sich in Rheinhessen (1.087 Hektar) und der Pfalz (969 Hektar), gefolgt vom Kaiserstuhl in Baden (344 Hektar). Deutsche Winzer wie Friedrich Becker, die Rings-Brüder oder Markus Molitor zeigen, dass deutsche Chardonnays durchaus international konkurrieren können.
Internationale Größen
Kalifornien führt mit etwa 44.500 Hektar die weltweite Anbaustatistik an. Der legendäre Sieg des Château Montelena Chardonnay bei der Pariser Verkostung 1976 markierte den Wendepunkt für kalifornische Weine und löste einen globalen Boom aus.
Australien (21.300 Hektar) bringt in Regionen wie dem Hunter Valley, Yarra Valley und Adelaide Hills Weine von Weltklasse hervor.
Italien kultiviert die Sorte auf knapp 20.000 Hektar, vor allem in Südtirol, Friaul und der Franciacorta. Angelo Gajas „Gaia & Rey" aus dem Piemont gehört zu den großen Chardonnays außerhalb Frankreichs.
Bedeutende Erzeuger und Ikonen
Weltklasse aus dem Burgund
Die absoluten Referenzen stammen nach wie vor aus dem Burgund: Domaine de la Romanée-Conti, Coche-Dury, Leflaive und Jean-Marc Roulot definieren die Weltspitze. Lalou Bize-Leroys Domaine d'Auvenay produziert mit ihrem Chevalier-Montrachet einen der seltensten und begehrtesten Chardonnays der Welt, ein legendäres Elixier, das als Nonplusultra burgundischer Weißweinkunst gilt.
Internationale Vorreiter
Kalifornien: Marcassin, Kistler, Peter Michael und Kongsgaard haben kalifornischen Chardonnay zur Weltspitze geführt.
Australien: Giaconda aus Victoria und Penfolds Yattarna setzen in Australien Maßstäbe.
Italien: Alois Lageders Löwengang aus Südtirol ist Italiens Chardonnay-Legende schlechthin.
Qualitätsstufen und Preissegmente
Die Bandbreite reicht von einfachen Landweinen bis zu Sammlerobjekten: Von Häusern wie Coche-Dury oder Leflaive kosten Premier Crus mehrere hundert Euro, auf dem Sekundärmarkt vervielfachen sich die Preise häufig noch. Dennoch sind in allen Preisklassen hervorragende Vertreter der Sorte zu finden.
Kulinarische Paarungen
Die Vielseitigkeit des Chardonnay macht ihn zu einem der besten Speisenbegleiter unter den Weißweinen.
Meeresfrüchte und Fisch: Besonders Heilbutt, Lachs und Krustentiere harmonieren perfekt mit der oft cremigen Textur.
Geflügel: Gebratenes Huhn ist eine klassische Paarung, die Säure des Weins schneidet durch die Reichhaltigkeit des Fleisches.
Käse: Weiche Käse wie Brie oder Camembert, aber auch Ziegenkäse und mittelalte Hartkäse.
Aromaintensität abstimmen: Leichte, frische Weine zu delikaten Speisen, holzbetonte Chardonnays zu kräftigeren Gerichten.
Texturen Abstimmen: Cremige Pasta-Gerichte wie Fettuccine Alfredo oder Risotto profitieren von der säurebalancierten Struktur des Chardonnay.
Servierempfehlungen und Lagerung
Optimale Genusstemperatur
Frische, leichte Stile: 8-9°C für Chablis und edelstahlorientierte Weine
Holzbetonte Qualitäten: 11-12°C für burgundische Stile und Barrique-Ausbau
Lagerpotenzial
Hochklassige Burgunder sind durchaus lagerfähig, während die meisten anderen Chardonnays jung getrunken werden sollten. Spitzenweine können über Jahrzehnte reifen und entwickeln dabei komplexe tertiäre Aromen von Honig, Nüssen und mineralischen Noten.
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