Weissweingläser
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Chenin Blanc - Von trocken bis edelsüß: Eine Rebsorte mit vielen Gesichtern

Was den Chenin Blanc auszeichnet, ist seine unvergleichliche Vielseitigkeit. Kaum eine andere weiße Rebsorte vermag ein derart breites Spektrum zu bedienen: von knochentrocken bis edelsüß, von still bis schäumend, von jugendlich frisch bis jahrzehntelang lagerfähig. Diese außergewöhnliche Bandbreite macht sie zu einem wahren Chamäleon der Weinwelt. Eine Rebsorte, die je nach Terroir, Klima und Winzerhandschrift völlig unterschiedliche Gesichter zeigen kann.

Inhalte

Wissenswertes

Bedeutende Anbaugebiete: Loire (Frankreich), Western Cape (Südafrika), Kalifornien (USA), kleine Bestände in Deutschland (Kaiserstuhl), Argentinien

Herausragende Erzeuger:

Frankreich: Domaine Vincent Carême (Vouvray), Champalou (Vouvray), Château des Baumard (Quarts de Chaume), Domaine de la Pierre Gravée
Südafrika: Ken Forrester Wines, Stellenrust, Kleine Zalze, David & Nadia, Villiera, Buitenverwachting, De Morgenzon

Primäre Aromen: Grüner und gelber Apfel, Birne, Quitte, Limette, Pfirsich, Passionsfrucht,  weiße Blüten

Sekundäre Aromen: Honig, Ingwer, Jasmin, Safran und bei Ausbau im Holzfass: Butter, Karamell, Muskat, Marzipan, Brioche, Vanille

Tertiäre Aromen: Kurkuma und Safran, Pflaumen und Honig, kandierte Früchte, geröstete Mandeln, Wollwachs

Farbe: Blasses Goldgelb bis tiefes Strohgold (je nach Ausbau und Alter)

Alkoholgehalt: 11,5-14% (je nach Stil und Region)

Serviertemperatur: 8-12°C

Lagerfähigkeit: 3-8 Jahre (einige Spitzenweine bis zu mehreren Jahrzehnten)

Worin ist Chenin Blanc enthalten? Chenin Blanc wird meistens sortenrein ausgebaut. In Frankreich wird er hin und wieder mit Sauvignon Blanc oder Chardonnay, in Südafrika auch mit Semillon oder Viognier verschnitten. Er ist außerdem in einigen Schaumweinen zu finden, wie dem Crémant de Loire. 

Wie schmeckt Chenin Blanc?

Trockener Chenin Blanc

In der Appellation Vouvray werden diese als "sec" bezeichnet. Diese Weine zeichnen sich durch eine markante, manchmal strenge Säure und mineralische Noten aus. Junge trockene Chenin Blancs zeigen Aromen von Kamille, Quitte und Ingwer, während gereifte Exemplare eine cremige Textur und komplexe Würze entwickeln können.

Halbtrockener Chenin Blanc

Diese Varianten weisen meist ein üppiges Bouquet mit floralen Düften und Aromen von reifen Birnen, Jasmin und Passionsfrucht auf. Die dezente Restsüße wird von der lebendigen Säure perfekt ausbalanciert.

Süßweine (Moelleux und Liquoreux)

Die süßen Varianten zeigen Aromen von getrockneten Pflaumen, gerösteten Mandeln, Mango und Mandarine. Diese entstehen durch Edelfäule (Botrytis cinerea) oder durch das Passerillé-Verfahren, eine traditionelle Weinbereitungsmethode zur Herstellung edelsüßer Weine, bei der die Trauben vor der Vinifikation getrocknet werden. Berühmte Appellationen sind Quarts de Chaume, Bonnezeaux und Coteaux du Layon an der Loire.

Schaumweine

Die ausgeprägte Säure der Weine prädestiniert sie zur Erzeugung von Schaumweinen, wie etwa Crémant de Loire und Vouvray. Diese können von knochentrocken (Brut) bis süß (Demi-Sec) reichen und zeigen die klassischen Chenin Blanc-Aromen in perlender Form.

Terroir und Klimaeinflüsse

Es gibt nur wenige Rebsorten, die so stark auf die Beschaffenheit des Bodens und auf Klimaverhältnisse reagieren. Diese Sensibilität macht Chenin Blanc zu einem perfekten Terroir-Interpreten.

Kühle Klimazonen (Loire): Hohe Säure, mineralische Prägung, ausgeprägte Eleganz, späte Reife mit ungleichmäßigem Reifegrad

Warme Klimazonen (Südafrika): Vollere Körper, tropische Fruchtaromen, cremigere Textur

Südafrikas Chenin Blanc-Weine aus kühleren Gebieten ähneln sensorisch eher dem Sauvignon Blanc, während Chenin Blancs aus wärmeren Zonen, stilistisch näher am Chardonnay sind.

Primäre Aromen

Quitte
Quitte
gelber Apfel
gelber Apfel
Apfel
Apfel
Birne
Birne

Sekundäre Aromen

Honig
Honig
Ingwer
Ingwer
Kamille
Kamille
Mandeln
Mandeln

Tannine:

Keine

Säure:

Hoch

Körper:

LeichtMittel

Geschichte und Verbreitung

Seine Heimat hat der Chenin Blanc in Frankreich an den Ufern der Loire, wo er bereits seit dem 9. Jahrhundert in der Region Anjou kultiviert wird. Als Plant d'Anjou kam sie im 15. Jahrhundert in die Appellation Touraine, wo sie nahe dem Ort Mont-Chenin angebaut wurde. Vermutlich gab dieser Ort der Rebsorte ihren Namen. Die Sorte trägt viele poetische Synonyme wie Blamancep, Rouxalin oder Tête de crabe, ein Zeichen für ihre lange Tradition.

Obwohl Frankreich als die Heimat der Sorte gilt, wird in Südafrika heute deutlich mehr Chenin Blanc angebaut.  Am Kap wächst sie auf etwa 19 Prozent der Anbaufläche (etwa 19.000 Hektar). Damit sind die Rebflächen dort fast doppelt so groß wie in Frankreich. In Südafrika war die Rebsorte jahrhundertelang unter dem Namen „Steen" bekannt, erst 1965 konnte die Identität als Chenin Blanc nachgewiesen werden.

Kulinarische Paarungen

Die Vielseitigkeit des Chenin Blanc macht ihn zu einem außergewöhnlichen Speisenbegleiter.

Trockene Stile: Perfekt zu Austern, gegrilltem Fisch (Forelle, Heilbutt), hellem Fleisch (Kalb, Geflügel, Schwein) und Ziegenkäse.

Halbtrockene Varianten: Wunderbar zu süß-sauren Gerichten, mexikanischen Speisen, milden indischen und thailändischen Currys, sowie zu geräuchertem Lachs.

Süße Stile: Klassisch zur Tarte Tatin, zu Desserts mit weißen Steinfrüchten, Blauschimmelkäse oder als Digestif.

Schaumweine: Schaumwein aus Chenin Blanc wird am besten zu frittierten, salzigen Speisen gereicht, als Aperitif oder zu Meeresfrüchten.

Besonderer Tipp: Aufgrund seiner hohen Säure und süßen Aromen passt Chenin Blanc hervorragend zu südostasiatischer Küche. Die Balance zwischen Säure und Frucht harmoniert perfekt mit süß-sauren Aromen.

Lagerung und Servierhinweise

Lagerung: Chenin Blanc gehört zu den lagerfähigsten Weißweinen der Welt. Mit der natürlich hohen Säure haben gerade Vouvrays aus guten Jahrgängen sehr gutes Alterungspotenzial. Die Rekorde liegen bei etwa 100 Jahren, die meisten Vouvrays erreichen ihren Höhepunkt jedoch nach 40 Jahren.

Servieren: In schlanken Weißweingläsern bei 8-12°C servieren. Junge, frische Stile können etwas kühler getrunken werden, reife und komplexe Weine profitieren von etwas höheren Temperaturen.

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