Portwein - Der berühm­teste Likör­wein der Welt
Inhalte
Wissenswertes
Anbauregionen: Douro-Tal in Portugal
Bedeutende Erzeuger: Taylor Fladgate, Fonseca, Graham's, Dow's, Cockburn's, Sandeman, Quinta do Noval, Warre's, Ramos Pinto, Niepoort
Lagerung im Holzfass: Ruby Port in neutralen Holzfässern oder Stahltanks, Tawny Port jahrzehntelang in kleineren Holzfässern (Pipes), Vintage Port kurz im Holz, dann Flaschenreifung
Lagerfähigkeit: Ruby Port sofort trinkbar, Tawny Port ebenfalls, Vintage Port 20-50+ Jahre, LBV Port 5-15 Jahre
Alkoholgehalt: 19-22% durch Aufspritung mit Weinbrand während der Gärung
Portstile: Ruby (jung, fruchtig), Tawny (oxidativ gereift, nussig), Vintage (beste Jahrgänge, nur in Spitzenjahren deklariert), LBV (Late Bottled Vintage), White Port (aus weißen Rebsorten)
Rebsorten: Über 80 zugelassene Sorten, wichtigste: Touriga Nacional, Touriga Franca, Tinta Roriz, Tinta Barroca, Tinto Cão
Serviertemperatur: Ruby/Vintage Port 16-18°C, Tawny Port 12-16°C, White Port gekühlt bei 8-10°C
Die Wiege des Portweins: Das Douro-Tal
Die Trauben für den Portwein stammen ausschließlich aus dem Alto Douro, einer der ältesten geschützten Weinbauregionen der Welt. In diesem spektakulären Flusstal sind etwa 40.000 Hektar mit Reben bestockt. Davon sind 33.000 Hektar für Portwein und 7.000 Hektar für normalen Wein klassifiziert. Die dramatischen, in Terrassen angelegten Weinberge an den steilen Schieferhängen des Douro bieten ein einzigartiges Mikroklima, welches von extremen Temperaturschwankungen zwischen glühend heißen Sommern und kühlen Wintern geprägt ist.
Das Anbaugebiet gliedert sich in drei Zonen: Das Baixo Corgo um Peso da Régua liefert etwa die Hälfte aller Portweine, hauptsächlich leichtere Ruby- und Tawny-Qualitäten. Im Cima Corgo rund um Pinhão entstehen etwa ein Drittel der Produktion. Hier befinden sich die legendären Quintas der Spitzenerzeuger. Das kontinentale Douro Superior an der spanischen Grenze trägt mit seinem extremen Klima nur begrenzt zur Portweinproduktion bei.
Geschichte des Portwein
Wie so oft waren es auch in dieser Gegend die Römer, welche den Weinbau als erstes in größerem Maßstab betrieben. Schon seit langer Zeit ist die Verbindung der Portweinproduzenten zu England sehr eng. Im Jahr 1373 schlossen die Portugiesen und Engländer ein Abkommen, welches es den Portugiesen erlaubte vor der Küste Englands zu fischen, im Austausch für Wein. Ende des 17. Jahrhunderts war die Beziehung Englands zu Frankreich sehr schlecht. Daher suchten Sie nach Alternativen für die französischen Weine und fanden sie in Portugal.
Damals war es noch ein Problem, Wein herzustellen, der über einen längeren Zeitraum hinweg haltbar war. Es waren Mönche, welche die Lösung dafür fanden. Sie fügten dem Wein während der Gärung Neutralalkohol hinzu. Dies führte dazu, dass die Gärung stoppte. Resultat war ein restsüßer Wein, der auch den Transport über das Meer nach England ohne Probleme überstand.
Die Rebsorten: Vielfalt aus autochthonen Schätzen
48 Rebsorten sind für die Portweinherstellung zugelassen, darunter über 30 rote und etwa 18 weiße Sorten. Besonders wichtig unter den roten Rebsorten ist Touriga Nacional, die als hochwertigste Portweinrebsorte gilt und zunehmend auch für trockene Rotweine verwendet wird. Diese autochthone Sorte erzeugt ausbalancierte, aromatisch intensive Weine mit samtigen Tanninen und einem vielfältigen Bouquet an Aromen, von Bergamotte über Rosmarin bis zu Veilchen.
Weitere wichtige rote Sorten sind Touriga Francesa, Tinta Barroca, Tinta Roriz (identisch mit Tempranillo), Tinta Amarela und Tinto Cão. Für weißen Portwein werden hauptsächlich Malvasia Fina, Gouveio, Viosinho und Rabigato verwendet, ergänzt durch Arinto, Codega und andere autochthone Sorten.
Wie wird Portwein hergestellt?
Das Geheimnis des Portweins liegt in der Fortifizierung, einem Verfahren, das Mönche bereits im 17. Jahrhundert perfektionierten. Die handverlesenen Trauben werden gepresst und der Most zur Gärung angesetzt. Der eigentliche Vorgang der Wein zu Portwein macht, ist das Aufspriten mit etwa 77-prozentigem Weindestillat, wodurch die Gärung gestoppt wird. Je nach Zeitpunkt der Fortifizierung verbleibt mehr oder weniger Restzucker im Wein, was die spätere Süße bestimmt.
Das Ergebnis ist ein Wein mit 19-22 Volumenprozent Alkohol und einer natürlichen Süße von 70-100 Gramm Zucker pro Liter. Diese Kombination macht Portwein außergewöhnlich lagerfähig und verleiht ihm seine charakteristische Intensität.
Die Portwein-Stile: Eine Welt der Vielfalt
Ruby-Ports: Jugendliche Fruchtpower
Ruby-Ports sind die klassischen fruchtbetonten Portweine mit ihrer charakteristischen rubinroten Farbe. Diese werden hauptsächlich in der Flasche gereift und zeigen Aromen von Brombeeren, Himbeeren und Waldbeeren, ergänzt mit Noten von Pfeffer, Schokolade und Kaffee.
Die Qualitätspyramide beginnt beim einfachen Ruby, gefolgt vom Reserve Ruby. Crusted Port vereint die besten nicht-Vintage-Jahrgänge, während Late Bottled Vintage (LBV) aus exzellenten Einzeljahrgängen stammt und 4-6 Jahre im Fass reift. An der Spitze steht der legendäre Vintage Port. Er wird nur in außergewöhnlichen Jahren und ausschließlich aus einem Jahrgang deklariert. Diese exklusiven Weine reifen als Spitzenjahrgang ausschließlich in der Flasche und bilden die Qualitätsspitze unter den Portweinen.
Tawny-Ports: Elegante Reife
Tawny-Ports reifen jahre- oder jahrzehntelang in Holzfässern und entwickeln dabei ihre charakteristische kupferrote bis bernsteinfarbene Farbe. In seinem Aroma finden sich Noten von Nüssen, kandierten Früchten, Marzipan, Kaffee, Toffee und Honig.
Die Altersstufen reichen vom Standard Tawny über 10, 20, 30 bis zu 40 Years Old. Diese Altersangaben bezeichnen das durchschnittliche Alter der verschnittenen Weine. Colheita-Ports sind Tawny-Weine aus einem einzigen Jahrgang, die mindestens sieben Jahre reifen müssen.
White Port: Vielseitige Eleganz
Weißer Portwein wird aus weißen Rebsorten hergestellt und zeigt je nach Süßegrad unterschiedliche Charakteristika. Die Palette reicht von Extra Seco (sehr trocken) bis Muito Doce (sehr süß). Weißer Portwein wird häufig gut gekühlt als Aperitif getrunken und hat mit 16,5% Vol. einen etwas niedrigeren Alkoholgehalt als roter Port.
Rosé Port: Moderne Innovation
2008 nahm das Haus Croft einen Rosé Port ins Sortiment, der bis zum Aufspriten wie ein Roséwein hergestellt wird. Seit 2009 wird diese Variante vom IVDP als offizielle Sorte geführt. Diese jüngste Portwein-Kategorie besticht durch ihre frische Fruchtigkeit und eignet sich hervorragend für Cocktails.
Die großen Portwein-Häuser
Taylor's, Graham's, Niepoort, Dow's, Fonseca, Ramos Pinto: All diese angesehenen Weinhäuser sind Synonym für hochwertigen Portwein. Viele der berühmtesten Namen haben britische Wurzeln und zeugen von der jahrhundertealten Handelsbeziehung zwischen Portugal und England.
Graham's, 1820 von den Brüdern William und John Graham gegründet, gilt als einer der renommiertesten Erzeuger. Taylor's, bereits 1692 von Job Bearsley etabliert, ist berühmt für seine legendären Vintage Ports. Niepoort, ursprünglich ein niederländisches Handelshaus, hat sich unter Dirk Niepoort zu einem der innovativsten Produzenten entwickelt.
Portwein richtig genießen
In der Regel wird Portwein trinkfertig verkauft. Ausnahmen sind Vintage und Garrafeira-Ports, welchen sie selber noch etwas Zeit im Keller geben sollten.
Je hochwertiger ein Portwein, desto länger können sie ihn in ihrem Keller lagern. Wie für anderen Wein auch gilt hier, dass er bei stabilen, niedrigen Temperaturen in einem dunklen Raum liegend gelagert werden sollte. Ein klassischer Weinkeller bietet sich hier an.
Die richtige Serviertemperatur variiert je nach Stil: White Port und Rosé werden bei 8-12°C serviert, Ruby-Ports bei 16-18°C und reife Tawnys bei 14-16°C. Spezielle Portweingläser, die kleiner als normale Weingläser sind, konzentrieren die Aromen optimal.
Vintage und unfiltrierte Ports sollten dekantiert werden, um sie vom Depot zu trennen. Fassgereifter Port ist nach dem Öffnen noch mehrere Wochen genießbar, während flaschengereifter Port wie gewöhnlicher Wein innerhalb weniger Tage aufgebraucht werden sollte.
Perfekte Genussmomente: Portwein zum Essen
Ohne Zweifel schlägt die große Stunde der Portweine nach dem Hauptgang, wenn Käse oder Dessert aufgetragen werden. Die klassische Paarung von Blue Stilton (englischer Blauschimmelkäse) mit Vintage Port gilt als eine der berühmtesten Mariagen der Weinwelt. Blue Stilton mit dezenten Aromen von Zitrusfrüchten passt herausragend zu Vintage-Portweinen, die je nach Reifung Aromen von Dörrobst, Karamell und Nüssen haben.
Tawnys hingegen harmonieren wunderbar mit reifen Hartkäsen wie Greyerzer oder Comté.
Zu Schokoladen-Desserts mit moderatem Kakaoanteil bis 60 Prozent sind Tawny oder Colheitas die perfekte Wahl, ab einem Kakao-Anteil von über 60 Prozent sind Vintage- oder LBV-Ports ideale Begleiter.
Als Aperitif entfaltet Portwein seinen besonderen Charme: Ein gut gekühlter White Port vereint sich mit feinen Mandeln zu einer delikaten Liaison, während er in seiner trockensten Variante souverän feine asiatische Gerichte begleitet.
Welches ist das richtige Glas für einen Portwein?
Ein klassisches Portweinglas ist deutlich kleiner als ein gewöhnliches Weinglas, da Portwein einen höheren Alkoholgehalt aufweist. Es ähnelt Sherry- oder Likörgläsern. Wichtig ist, dass sich das Glas nach oben hin verjüngt um das Aroma (Duft) besser im Glas zu halten. Sie sollten das Glas niemals zu mehr als etwa zwei Dritteln füllen.
Qualität und Preise
Als Neuling empfiehlt es sich, einen guten Ruby auszuprobieren, da Sie die Flasche bereits ab circa 10€ erhalten und er alle typischen Charaktereigenschaften eines klassischen Portweins vereint. Tawny-Ports mit Altersangabe bewegen sich je nach Reifezeit zwischen 25€ und 150€, während seltene Vintage-Ports Sammlerwerte von mehreren hundert Euro erreichen können.
Die Qualität wird nicht nur durch den Preis bestimmt. Mehr als der Preis ist die Qualitätsgarantie entscheidend, die jahrhundertealte Marken bieten. Das Siegel des Instituto do Vinho do Porto garantiert die Authentizität, nicht aber automatisch die Qualität.
Wie lange ist ein geöffneter Portwein noch haltbar?
Ein Portwein oxidiert wie auch alle anderen Weinarten durch den Kontakt mit Sauerstoff. Während die geschlossene Flasche noch dicht abschließt, ist das natürlich nicht mehr gegeben, sobald diese einmal angebrochen ist. Ein Portwein ist danach nur noch begrenzt haltbar.
Wie lange der Portwein nach dem Öffnen noch haltbar ist, hängt maßgeblich von dem Herstellungsprozess ab. Unterschieden wird hier, ob der Port in der Flasche, im Holzfass oder im Stahltank reifen durfte.
Holzfässer sind im Gegensatz zu Flaschen und Stahltanks nicht komplett Luftdicht. Deswegen kommt der Wein hier zu einem gewissen Grad auch während der Reife mit Sauerstoff in Kontakt. Portwein der in Holzfässern reifte ist daher nach dem Öffnen nicht mehr so empfindlich. Ein hochwertiger Tawny-Port ist geöffnet noch mehrere Wochen genießbar. Die Flasche sollte zur anschließende Aufbewahrung natürlich wieder fest verschlossen und in einem dunklen Raum mit konstant niedrigen Temperaturen (z.B. im Keller) gelagert werden.
In Flaschen oder Stahltanks gereifte Portweine sind dagegen recht anfällig für die Oxidation. Portwein der ausschließlich in Flaschen reifte sollte daher wie gewöhnlicher Wein auch innerhalb weniger Tage aufgebraucht werden. In großen Stahltanks gereifter Port hält etwas länger, so ein bis zwei Wochen.
