Weinberg Nahe
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Weinregion Nahe

Das Weinbaugebiet Nahe, benannt nach dem gleichnamigen Fluss, der im Hunsrück entspringt und bei Bingen in den Rhein mündet, gilt als eines der geologisch faszinierendsten und stilistisch vielseitigsten Weinbaugebiete Deutschlands. Auf etwa 4.200 Hektar Rebfläche entfaltet sich hier ein einzigartiges Kaleidoskop unterschiedlichster Böden und Mikroklimate, das Winzern wie Weinliebhabern eine unvergleichliche Bandbreite an Geschmackserlebnissen bietet.

Die geologische Vielfalt der Nahe ist legendär: Mehr als 180 Bodenvarianten wurden vermutet und in einem spezifischen Projekt untersucht. Diese außergewöhnliche Bodenvielfalt – von Quarzit und Schiefer über Löß und Lehm bis hin zu vulkanischen Porphyr- und Melaphyr-Böden – prägt die Weine der Region mit einer charakteristischen Mineralität und macht sie zu idealen Begleitern der deutschen Spitzenküche.

Inhalte

Kurz und knapp, die Nahe im Überblick

Lage und Geographie: Etwa 4.200 Hektar Rebfläche entlang des Flusses Nahe und seiner Nebenflüsse Glan und Alsenz; eingebettet zwischen Hunsrück und Nordpfälzer Bergland, von Bingen bis Kirn

Klima: Kontinentales Klima mit maritimen Einflüssen; geschützte Tallage mit 1.750 Sonnenstunden jährlich und 600mm Niederschlag; warme Tage und kühle Nächte fördern komplexe Aromenentwicklung

Anbaugebiet: Drei Teilgebiete: Untere Nahe (Bingen bis Bad Kreuznach, Löß/Sandstein), Mittlere Nahe (Bad Kreuznach bis Bad Sobernheim, Lehm/Löß), Obere Nahe (Bad Sobernheim bis Kirn, Schiefer/Quarzit)

Hauptrebsorten:

  • Weiß: Riesling (dominierend), Müller-Thurgau, Silvaner, Scheurebe, Grauburgunder, Weißburgunder (75% Weißweinanteil)
  • Rot: Dornfelder (überraschend dominant), Portugieser, Spätburgunder, Regent; experimentell: Merlot, Cabernet Sauvignon

Weinarten: Überwiegend Weißweine (75%) mit Riesling-Fokus, gefolgt von Rotweinen (25%) mit Dornfelder-Schwerpunkt

Klassifikationssystem: Deutsches Prädikatswein-System mit VDP-Klassifikation; VDP.GROSSE LAGEN und VDP.ERSTE LAGEN; charakteristische Mineralität durch Terroir-Vielfalt

Geschützte Herkunftsbezeichnung: Deutsches Anbaugebiet seit 1971 (vorher "Rheinwein"); internationale Anerkennung für mineralische Spitzenweine

Weincharakter:

  • Weißweine: Charakteristische Balance zwischen fruchtiger Eleganz und steiniger Mineralität; knackige Säure mit komplexen Aromakomplexen
  • Rotweine: Kraftvolle Dornfelder mit tiefschwarzer Farbe, vollmundig mit ausgeprägter Frucht; elegante Spätburgunder

Bodenbeschaffenheit: Legendäre geologische Vielfalt mit über 180 vermuteten Bodenvarianten; Quarzit und Schiefer (untere Nahe), Porphyr/Melaphyr/Buntsandstein (mittlere Nahe), Schiefer/Quarzit (obere Nahe); einzigartiger Grünschiefer

Geschichte: Weinbautradition seit 766 n.Chr.; karolingische Prägung (Straußenwirtschaften-Recht); Zisterzienser-Klöster im Mittelalter; preußische Weinbaudomäne ab 1901 (Qualitätsrevolution); eigenständiges Anbaugebiet seit 1971

Berühmte Weingüter: Dönnhoff (internationale Riesling-Weltklasse), Emrich-Schönleber (100 Punkte James Suckling 2023), Schäfer-Fröhlich (Kollektion des Jahres 2024/2025), Gut Hermannsberg (historische Tradition), Kruger-Rumpf, Prinz Salm (ältestes deutsches Weingut, 850 Jahre, 32. Generation)

Besonderheit: Geologisch faszinierendstes deutsches Weinbaugebiet mit über 180 Bodenvarianten auf kleinstem Raum; einzigartiger Grünschiefer nur an der Nahe; charakteristische Nahe-Mineralität als Terroir-Ausdruck; idealer Begleiter der deutschen Spitzenküche; Pionierregion im ökologischen Weinbau

Geschichte der Wein­region Nahe

Frühe Anfänge und mittelalterliche Blüte

Die Weinbautradition an der Nahe reicht bis ins Jahr 766 zurück, als der Weinbau erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die frühen weinbaulichen Strukturen aus karolingischer Zeit prägten die Region nachhaltig: Das traditionelle Recht der Winzer, Straußenwirtschaften zu betreiben, stammt aus der Zeit Karls des Großen (768-814) und ist bis heute in Gebrauch.

Die mittelalterlichen Klöster, insbesondere der Zisterzienser, trieben den systematischen Weinbau voran und legten den Grundstein für den heutigen Qualitätsweinbau. Der „Monziger Feuerwein" aus dem Jahr 1500 zeugt von der frühen Vermarktung regionaler Weine über die Grenzen der Region hinaus.

Moderne Entwicklung und Qualitätsweinrevolution

Einen entscheidenden Wendepunkt erlebte die Region ab 1901 durch die preußische Weinbaudomäne bei Niederhausen (heute Gut Hermannsberg), die maßgeblich zur Steigerung der Qualität im Weinbau beitrug. Die systematische Qualitätsarbeit legte den Grundstein für den heutigen Ruf der Nahe als Erzeugerregion mineralischer Spitzenweine.

Seit 1971 vermarktet sich die Nahe als eigenständiges Anbaugebiet – zuvor trugen die Weine den unspezifischen Namen „Rheinwein". Diese Emanzipation markierte den Beginn einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte, die heute in der internationalen Anerkennung von Spitzenerzeugern wie Dönnhoff, Emrich-Schönleber oder Schäfer-Fröhlich ihren vorläufigen Höhepunkt findet.

Weinberge bei Roxheim
Foto von Luca J auf Unsplash - Weinberge bei Roxheim

Geografie und Klima

Landschaftliche Prägung

Die kompakte Weinregion Nahe erstreckt sich über 4.200 Hektar entlang des gleichnamigen Flusses und seiner Nebenflüsse Glan und Alsenz. Eingebettet zwischen Hunsrück und Nordpfälzer Bergland überrascht die Region mit einer bemerkenswerten geologischen und klimatischen Vielfalt auf engstem Raum.

Die Weingärten befinden sich größtenteils in Flach- und Hügellagen, ergänzt durch einige beeindruckende Steillagen in exponierten Bereichen. Diese überwiegend sanften, nach Süden und Südwesten ausgerichteten Hänge fangen das Sonnenlicht optimal ein, während die umliegenden Höhenzüge Schutz vor kalten Nordwinden bieten.

Einzigartige geologische Vielfalt

Quarz- und Schieferböden finden sich an der unteren, Porphyr, Melaphyr und Buntsandstein an der mittleren Nahe. Rund um Bad Kreuznach gibt es Verwitterungsböden und Tonüberlagerungen aus Sandstein, Löß und Lehm. Diese geologische Diversität macht die Nahe zu einem Studienobjekt für Terroir-Liebhaber und ermöglicht es den Winzern, unterschiedlichste Weincharaktere zu entwickeln.

Klimatische Gunstlage

Das Klima profitiert von der geschützten Tallage und zeigt kontinentale Züge mit maritimen Einflüssen. Mit durchschnittlich 1.750 Sonnenstunden im Jahr und moderaten Niederschlägen von etwa 600 Millimetern herrschen hier für deutsche Verhältnisse günstige Bedingungen. Die warmen Tage und kühlen Nächte während der Reifephase fördern die Entwicklung komplexer Aromen und ermöglichen die Erzeugung ausdrucksstarker Weine mit der charakteristischen Nahe-Mineralität.

Karte Weinregion Nahe

Wein­bau­gebiete in der Region

Untere Nahe (Bingen bis Bad Kreuznach)

Das östlichste Teilgebiet liegt zwischen Bingen und Bad Kreuznach auf Höhen von 100 bis 250 Metern. Die sanften, nach Süden ausgerichteten Hänge weisen überwiegend Löß- und Sandsteinböden auf, die ein hervorragendes Wasserhaltevermögen bieten. Hier gedeihen insbesondere Müller-Thurgau und frühreifende Burgundersorten, die Weine mit zarter Fruchtigkeit und zugänglicher Struktur hervorbringen.

Mittlere Nahe (Bad Kreuznach bis Bad Sobernheim)

Das Herzstück der Region um Bad Kreuznach bis Bad Sobernheim liegt auf 100 bis 300 Metern Höhe. Die überwiegend aus Lehm und Löß bestehenden Böden mit ihrem ausgezeichneten Wasserhaltevermögen schaffen ideale Bedingungen für kraftvolle Rotweine. Der Dornfelder findet hier optimale Bedingungen und bringt vollmundige Weine mit fruchtigem Aroma und würzigem Abgang hervor.

Obere Nahe (Bad Sobernheim bis Kirn)

Das nördlichste Teilgebiet präsentiert sich mit steilen, nach Süden und Südosten ausgerichteten Hängen in Höhen von 120 bis 400 Metern. Die Schiefer- und Quarzitböden mit ihrer hervorragenden Drainage schaffen die Grundlage für mineralische Rieslinge von außergewöhnlicher Präzision. Die ausgeprägten Tag-Nacht-Temperaturunterschiede fördern die Entwicklung einer lebendigen Säure und komplexer Aromakomplexe.

Rebsorten und Weinstile

Riesling
27%
Müller-Thurgau
13%
Dornfelder
11%
Silvaner
7%
Spätburgunder
6%
Weißburgunder
6%
Grauburgunder
5%

Die am häufigsten angebauten Rebsorten der Region und ihr Anteil an der gesamten Rebfläche in %.

Weißweine: Riesling als Königin der Nahe

Mit einem Anteil von 75% dominieren die weißen Rebsorten das Bild der Region. Der Riesling steht dabei unangefochten an der Spitze und entwickelt auf den verschiedenen Gesteinsformationen seine ganz eigene, mineralische Handschrift. Nahe-Rieslinge zeichnen sich durch ihre charakteristische Balance zwischen fruchtiger Eleganz und steiniger Mineralität aus – ein Terroir-Ausdruck, der internationale Weinkritiker regelmäßig ins Schwärmen bringt.

Begleitet wird der Riesling von einem beeindruckenden Ensemble klassischer deutscher Rebsorten: Der fruchtig-frische Müller-Thurgau findet sich hier ebenso wie der würzige Silvaner und die ausdrucksstarke Scheurebe. Besonders bemerkenswert ist der kontinuierliche Aufstieg der Burgunderfamilie – bundesweit stieg die Anbaufläche des Ruländers (Grauburgunder) zwischen 2014 und 2024 von 5.630 Hektar auf 8.400 Hektar und die des Weißburgunders von 4.790 auf 6.360 Hektar, ein Trend, der sich auch an der Nahe bemerkbar macht.

Rotweine: Dornfelder und neue Perspektiven

Im roten Segment dominiert überraschenderweise nicht der edle Spätburgunder, sondern der kraftvolle Dornfelder das Bild. Diese deutsche Neuzüchtung aus dem Jahr 1955 hat sich besonders an der mittleren Nahe etabliert und bringt tiefschwarze, vollmundige Weine mit ausgeprägter Frucht hervor. Der traditionelle Portugieser spielt ebenfalls noch eine wichtige Rolle, während moderne Sorten wie Regent als klimaresistente Alternative an Bedeutung gewinnen.

Der Klimawandel eröffnet zudem neue Möglichkeiten: Erste Experimente mit mediterranen Sorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon zeigen vielversprechende Ergebnisse und könnten das Sortimentsspektrum der Nahe in Zukunft erweitern.

Riesling Trauben
Foto von Luca J auf Unsplash - Rieslingtrauben

Bekannte Weingüter

Weingut Dönnhoff (Oberhausen an der Nahe): Das familiengeführte Weingut gilt als eines der besten Weingüter der Region und steht international für mineralische Rieslinge von Weltklasse. Cornelius Dönnhoff führt das väterliche Erbe mit bemerkenswerter Kontinuität fort und erzeugt in Lagen wie „Oberhäuser Brücke" und „Niederhäuser Hermannshöhle" Weine von außergewöhnlicher Präzision und Langlebigkeit.

Weingut Emrich-Schönleber (Monzingen): Werner & Frank Schönleber wurden von Gault&Millau zu den „Weinpersönlichkeiten des Jahres" gekürt und stehen für kompromisslose Qualität. Ihr Riesling „Auf der Ley" erzielte 2023 mit 100 Punkten bei James Suckling internationale Bestnoten und gilt als einer der besten deutschen Weißweine.

Weingut Schäfer-Fröhlich (Bockenau): Tim Fröhlich hat das elterliche Gut zu einem der renommiertesten Erzeuger der Region entwickelt. Das Weingut erhielt die Auszeichnung „Kollektion des Jahres 2024/2025" des Magazins wein.plus und überzeugt sowohl bei trockenen Rieslingen als auch bei edelsüßen Spezialitäten.

Gut Hermannsberg (Niederhausen): Das historische Gut, hervorgegangen aus der preußischen Weinbaudomäne, setzt die Tradition mineralischer Spitzenweine fort und gilt als wichtiger Impulsgeber für die Qualitätsentwicklung der Region.

Weingut Kruger-Rumpf (Münster-Sarmsheim): Das familiengeführte Weingut verbindet Tradition mit Innovation und erzeugt in Lagen wie „Münsterer Dautenpflänzer" und „Münsterer Rheinberg" charakterstarke Rieslinge mit ausgeprägtem Terroir-Charakter.

Weingut Prinz Salm (Wallhausen): Als Deutschlands ältestes Weingut in ununterbrochenem Familienbesitz blickt das Schlossweingut auf über 850 Jahre Weinbaugeschichte zurück. Felix und Victoria Prinz zu Salm-Salm führen das traditionsreiche Gut in der 32. Generation und bewirtschaften 27 Hektar in VDP.Grossen und VDP.Ersten Lagen. Das bereits 1988 auf ökologischen Weinbau umgestellte Weingut ist Pionier der Nahe und erzeugt charakteristische Rieslinge vom seltenen Grünschiefer in der VDP.Grossen Lage „Felseneck" – ein Alleinstellungsmerkmal, das es nur an der Nahe gibt. Der 450 Jahre alte Kellergewölbe aus Grünem Schiefer sorgt für ideale Reifebedingungen der prämierten Weine.

Kulinarische Tra­di­tionen und Speise­empfeh­lungen

Riesling: Die mineralischen Nahe-Rieslinge harmonieren perfekt mit Fisch, Geflügel und hellem Fleisch. Ihre knackige Säure und das fruchtige Aroma ergänzen feine Aromen und machen sie zu idealen Begleitern der modernen deutschen Küche.

Spundekäs: Diese regionale Spezialität aus Quark, Frischkäse, Butter und Zwiebeln wird traditionell mit frischem Brot serviert und passt hervorragend zu einem Glas trockenem Riesling oder Grauburgunder.

Moderne Gastronomie

Die Nahe-Weine finden zunehmend Eingang in die Spitzengastronomie. Ihre Mineralität und Eleganz machen sie zu perfekten Begleitern innovativer Gerichte, die regionale Traditionen mit internationalen Einflüssen verbinden.

Tourismus und Ver­anstal­tungen

Weinfeste und Events

Die Region feiert ihre Weinkultur mit zahlreichen Veranstaltungen. Der Bad Kreuznacher Weinmarkt und der Nahe Weinfrühling gehören zu den Höhepunkten des touristischen Kalenders und bieten authentische Einblicke in die regionale Weinkultur.

Weinwandern und Genusstouren

Die VDP.Nahe & Friends Veranstaltungen im Weingut Dönnhoff bieten exklusive Einblicke in die Arbeit der Spitzenerzeuger. Malerische Rad- und Wanderwege durch die Weinberge verbinden Naturerlebnis mit Weingenuss und bieten spektakuläre Ausblicke auf die historischen Burgen und Schlösser der Region.

Kulturelles Erbe

Die Region beherbergt bedeutende historische Denkmäler wie die Kyrburg bei Kirn, die Zeugnis der reichen Geschichte des Nahelands ablegt und das touristische Angebot perfekt abrundet. Auch die nahegelegenen Burgen am Rhein wie Burg Rheinstein und Burg Sooneck sind von der Nahe aus gut erreichbar und erweitern das kulturelle Erlebnis.

Quiz

Wie gut kennen Sie die Weinregion Nahe? Testen Sie ihr Wissen in unserem Quiz.

Weiterführende Informationen

Weinland Nahe e.V.:

Weinland-nahe.de

VDP: Die Prädikatsweingüter

VDP.de

Weitere Regionen

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