Weinregion Württemberg
Eingebettet im Herzen Baden-Württembergs repräsentiert das Weinbaugebiet Württemberg eine der dynamischsten Weinregionen Deutschlands. Mit etwas über 11.000 Hektar bestockter Rebfläche ist es das viertgrößte deutsche Anbaugebiet und steht für eine reiche Geschichte, unverwechselbare Weinstile und eine einzigartige Weinkultur, die ihre Wurzeln tief in der schwäbischen Identität verankert hat.
Inhalte
Kurz und knapp, Württemberg im Überblick
Lage und Geographie: Viertgrößtes deutsches Weinbaugebiet mit über 11.000 Hektar Rebfläche; erstreckt sich entlang der Flusstäler von Neckar und Nebenflüssen (Rems, Enz, Kocher, Jagst); Weinberge zwischen 170-400m Höhe in süd-exponierten Steillagen
Klima: Gemäßigt kontinentales Klima im Regenschatten von Schwarzwald und Schwäbischer Alb; 9,8°C Jahresmitteltemperatur, 1.650 Sonnenstunden, 650-800mm Niederschlag; lange, milde Herbste ideal für Rotweinreifung
Anbaugebiet: Fünf Hauptregionen: Neckartal (Herzstück mit Steillagen), Remstal (Weißwein-Paradies), Kocher-Jagst-Tauber, Württembergisch Franken, Stromberg; charakteristische Trockenmauern in Steillagen
Hauptrebsorten:
- Rot: Trollinger (2.200-2.400 ha, Leitrebsorte), Lemberger/Blaufränkisch (Qualitätsbotschafter), Spätburgunder, weitere Sorten (etwa 70% Rotweinanteil)
- Weiß: Riesling (Riesling Cup Gewinner 2024), Weißburgunder, Kerner (Trollinger x Riesling-Kreuzung), weitere Sorten (etwa 30% Weißweinanteil)
Weinarten: Einziges deutsches Anbaugebiet mit etwa 70% Rotweinanteil, 30% Weißweine; zusätzlich Rosé und Sekt; moderne, unkomplizierte Weinkultur
Klassifikationssystem: VDP-System mit Spitzenweingütern; Deutsches Prädikatswein-System; genossenschaftliche Struktur mit über 60 Weingärtnergenossenschaften vermarkten 75% der Weine
Geschützte Herkunftsbezeichnung: Deutsches Anbaugebiet mit über 2000-jähriger Tradition; erste württembergische Weinordnung 1567; starke regionale Identität
Weincharakter:
- Rotweine: Trollinger mit rubinroter Farbe, lebendiger Säure, Kirsch-/Erdbeeraromen; kraftvolle Lemberger mit dunklen Beeren, Gewürzen, erdigen Noten; elegante Spätburgunder
- Weißweine: Kristalline Rieslinge mit Mineralität, cremige Weißburgunder, charaktervolle Kerner mit Muskateller-Note
Bodenbeschaffenheit: Faszinierendes geologisches Mosaik: Muschelkalk (Neckartal, wärmespeichernd), Keuper (tonhaltig, nährstoffreich), Gipskeuper (Eleganz), Buntsandstein (Taubertal), Vulkanverwitterungsböden; Schichtstufenlandschaft
Geschichte: Römische Wurzeln (2.-3. Jahrhundert); Zisterzienser-Entwicklung ab 1147 (Kloster Maulbronn); erste Weinordnung 1567; Reblaus-Katastrophe 19. Jahrhundert führte zu Genossenschaftsgründungen; Qualitätsrevolution seit 1990er Jahren
Berühmte Weingüter: Aldinger (Riesling Cup Gewinner 2024, Verdienstorden), Schnaitmann (Qualitätspionier), Graf Neipperg (400 Jahre Tradition), Graf Adelmann (Burg Schaubeck), Dautel, Karl Haidle, Wöhrwag; aufstrebende Betriebe: Seehaldenhof, Kurek
Besonderheit: Einziges deutsches Anbaugebiet mit 70% Rotweinanteil; Trollinger als regionale Leitsorte; starke Genossenschaftstradition (75% der Vermarktung); über 60 authentische Besenwirtschaften; 500km Württemberger Weinstraße; Stuttgarter Weindorf als eines der größten deutschen Weinfeste; schwäbische Weinkultur mit Spätzle, Maultaschen, Kässpätzle; Kerner als regionale Züchtung (Trollinger x Riesling)
Geschichte der Weinregion Württemberg
Römische Wurzeln und mittelalterliche Blüte
Die Weinbaugeschichte Württembergs reicht bis in die römische Zeit zurück. Bereits im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus legten römische Siedler die ersten Weinberge an den geschützten, nach Süden exponierten Hängen des Neckartals an. Archäologische Funde von Kelteranlagen, Amphoren und verkohlte Traubenkerne aus dieser Zeit belegen die frühe Kultivierung der Rebe in der Region.
Eine systematische Weiterentwicklung erfuhr der württembergische Weinbau ab dem 12. Jahrhundert durch die Zisterzienser. Das 1147 gegründete Kloster Maulbronn wurde zur Keimzelle der modernen Weinbaukultur. Die Mönche brachten nicht nur neue Rebsorten und ausgeklügelte Anbaumethoden mit, sondern prägten durch ihre angelegten Weinbergterrassen das Landschaftsbild nachhaltig. Ihre systematische Dokumentation der Weinbaupraktiken legte den Grundstein für die spätere Professionalisierung.
Höhepunkte und Krisen der frühen Neuzeit
Im 16. Jahrhundert erlebte der württembergische Weinbau unter Herzog Christoph von Württemberg (1550-1568) seine erste große Blütezeit. Die 1567 erlassene erste württembergische Weinordnung etablierte strenge Qualitätsstandards und regelte Anbau, Ausbau und Vermarktung minutiös. Württemberg entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Weinbaugebiete des Heiligen Römischen Reiches, wobei der Fokus damals noch auf Quantität lag.
Das 19. Jahrhundert brachte jedoch eine dramatische Zäsur: Die ab 1860 grassierende Reblaus-Katastrophe vernichtete nahezu 80 Prozent der Rebflächen. Diese Krise erwies sich paradoxerweise als Katalysator für eine grundlegende Modernisierung. Die Winzer schlossen sich zu Genossenschaften zusammen - ein Organisationsprinzip, das bis heute prägend ist. Die Einführung resistenter Unterlagsreben und moderne Anbaumethoden legten den Grundstein für den Qualitätsweinbau der Moderne.
Die Ära der Weingärtnergenossenschaften
Ein besonderes Charakteristikum entwickelte sich in dieser Zeit: Die Weingärtnergenossenschaften, wurden zum Rückgrat des württembergischen Weinbaus. Diese genossenschaftliche Struktur ermöglichte es auch kleinen Familienbetrieben, qualitativ hochwertige Weine zu produzieren und erfolgreich zu vermarkten. Heute vermarkten über 60 Genossenschaften etwa 75 Prozent aller württembergischen Weine.
Moderne Qualitätsrevolution
Die Rebfläche umfasst heute ungefähr 11.000-11.500 Hektar und macht Württemberg damit zum viertgrößten deutschen Weinbaugebiet. Besonders bemerkenswert ist der hohe Rotweinanteil von um die 70 Prozent, der historisch auf die Vorliebe der württembergischen Herzöge für rote Weine zurückgehen soll. Traditionelle Rebsorten wie Trollinger und Lemberger entwickelten sich zu regionalen Identitätsträgern.
Die jüngere Geschichte seit den 1990er Jahren ist geprägt von einer kontinuierlichen Qualitätssteigerung. Weingüter wie Aldinger, Schnaitmann und Neipperg treiben diese stetig voran. Moderne Kellertechnik, verbesserte Winzerausbildung und die Konzentration auf terroir-authentische Weine haben Württemberg zu einer dynamischen Weinbauregionen gemacht.
Geografie und Klima
Geologische Vielfalt als Qualitätsfundament
Das Weinbaugebiet Württemberg präsentiert sich als faszinierendes geologisches Mosaik, das sich von den Tauber-Terrassen im Norden bis zu vereinzelten Lagen am Bodensee erstreckt. Das Herzstück bildet das Neckartal mit seinen charakteristischen Steillagen, das sich wie ein roter Faden durch die Landschaft ziehen.
Die Weinberge erstrecken sich auf Höhenlagen zwischen 170 und 400 Metern über dem Meeresspiegel, wobei die besten Lagen in südexponierter Steillage zwischen 200 und 350 Metern liegen. Der Neckar und seine Nebenflüsse Rems, Enz, Kocher und Jagst haben über Jahrmillionen tiefe Täler in die Schichtstufenlandschaft gegraben und dabei ein einzigartiges Terroir-Spektrum freigelegt.
Bodenvielfalt: Vom Muschelkalk zum Keuper
Die geologische Struktur Württembergs ist von beeindruckender Vielfalt geprägt:
Muschelkalk dominiert im mittleren Neckarraum und in Teilen des Remstals. Diese warmen, gut drainierenden Böden mit hohem Kalkgehalt sind ideal für kraftvolle Rotweine. Die Muschelkalkböden speichern Wärme optimal und verleihen den Weinen eine charakteristische Mineralität.
Keuper prägt die Gebiete um Stuttgart und weite Teile des zentralen Württemberg. Die tonhaltigen, nährstoffreichen Keuperböden erwärmen sich schnell und bieten hervorragende Wasserspeicherkapazität. Hier gedeihen besonders aromatische, strukturierte Weine mit samtigem Tannin.
Gipskeuper findet sich vorwiegend im Remstal und verleiht den Weinen eine besondere Eleganz und Finesse. Diese Böden fördern die Entwicklung komplexer Aromaten.
Buntsandstein charakterisiert das nördliche Taubertal und bringt leichtere, fruchtige Weine hervor.
Vulkanverwitterungsböden bereichern das Terroir-Mosaik in einzelnen Lagen und verleihen den Weinen zusätzliche Komplexität.
Kontinentales Klima
Das Klima Württembergs ist geprägt von seiner besonderen geografischen Lage im Regenschatten von Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Diese Konstellation schafft ein gemäßigt kontinentales Klima mit für den Weinbau idealen Parametern:
- Mittlere Jahrestemperatur: 9,8°C (leicht steigend durch Klimawandel)
- Sonnenstunden: durchschnittlich 1.650 pro Jahr
- Niederschläge: 650-800mm jährlich, optimal verteilt
- Vegetationsperiode: April bis Oktober mit langen, milden Herbsten
Die Flusstäler fungieren als natürliche Klimaregulatoren und schützen die Reben vor extremen Temperaturschwankungen. Morgendliche Nebelbildung sorgt für zusätzliche Luftfeuchtigkeit, während die steilen Südhänge maximale Sonneneinstrahlung garantieren.
Klimawandel als Herausforderung und Chance
Der Klimawandel ist bereits deutlich spürbar: Spätfrostereignisse im April 2024 führten zu erheblichen Ernteausfällen, während die Vegetationsperiode sich kontinuierlich verlängert und die Lese sich um etwa zwei Wochen nach vorn verschiebt. Die württembergischen Winzer reagieren mit angepassten Anbaumethoden, verstärktem Frostschutz und der Erprobung neuer, hitzeresistenter Rebsorten.
Weinbaugebiete in der Region
Das Neckartal - Herzstück des württembergischen Weinbaus
Das Neckartal von Stuttgart bis Bad Wimpfen bildet das prestigeträchtigste Weinbaugebiet Württembergs. Die nach Süden ausgerichteten Steillagen mit ihren charakteristischen Trockenmauern prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern schaffen auch ideale Bedingungen für kraftvolle Rotweine.
Die berühmten Lagen wie der Stuttgarter Mönchberg, der Uhlbacher Götzenberg oder der Besigheimer Felsengarten profitieren von den warmen Muschelkalkböden und der optimalen Sonneneinstrahlung.
Die Steillagen ermöglichen nicht nur perfekte Drainage, sondern auch eine ideale Luftzirkulation, die Pilzkrankheiten vorbeugt. Die Trauben können in diesen teils extremen Lagen häufig nur in mühsamer Handarbeit geerntet werden.
Das Remstal - Eleganz aus dem Osten
Im östlichen Württemberg hat sich das Remstal als Paradies für elegante Weißweine etabliert. Die sanft geschwungenen Rebhänge sind von tiefgründigen Lössböden geprägt, die den Weinen ihre charakteristische Finesse verleihen.
Besonders Riesling und Weißburgunder erreichen hier eine bemerkenswerte Eleganz und Mineralität. Das milde Mikroklima des Remstals, verstärkt durch die windgeschützte Lage, schafft optimale Reifebedingungen für frische, langlebige Weißweine mit ausgeprägter Terroirprägung.
Die Fellbacher Lämmler, der Kerener Stettener Berg oder der Weinberger Schemelsberg gelten als Referenzlagen für württembergische Weißweine von großer Qualität.
Kocher-Jagst-Tauber
Die Region im Nordosten Württembergs besticht durch ihre sanft modellierten Hügellandschaften und die besonderen Bodenverhältnisse. Lehmige Böden mit hohem Wasserspeichervermögen und gleichmäßiger Wärmeversorgung bringen vollmundige, strukturierte Rotweine hervor.
Lemberger und Trollinger entwickeln hier eine besondere Aromatiefe mit würzigen Noten und samtiger Textur. Die Region profitiert von einem kontinentaleren Klima mit größeren Temperaturschwankungen, was die Aromabildung zusätzlich fördert.
Württembergisch Franken - Mineralische Finesse
Im Südosten überrascht Württembergisch Franken mit seinem eigenen Charakter. Steile Hanglagen auf kiesig-steinigem Untergrund zwingen die Reben zu tiefer Verwurzelung und geringeren Erträgen.
Das Ergebnis sind Weißweine von bemerkenswerter Mineralität und Präzision. Besonders Riesling und Weißburgunder profitieren von dieser Bodenstruktur und entwickeln eine ausgeprägte Terroirprägung mit kristalliner Klarheit und langem Nachhall.
Stromberg - Würzige Charakterweine
Die südwestliche Region um den Stromberg zeichnet sich durch ein bewegtes Relief und steinige Böden aus. Das hügelige Terrain fordert die Reben heraus und führt zu geringeren Erträgen bei höchster Konzentration.
Lemberger und Trollinger zeigen sich hier besonders würzig und vielschichtig. Die historischen Weinbauterrassen der Mönche von Kloster Maulbronn prägen bis heute das Landschaftsbild.
Rebsorten und Weinstile
Die am häufigsten angebauten Rebsorten der Region und ihr Anteil an der gesamten Rebfläche in %.
Rotweine - Die Seele Württembergs
Trollinger - Der schwäbische Botschafter Mit etwa 2.200-2.400 Hektar Anbaufläche ist der Trollinger die unbestrittene Leitrebsorte Württembergs. Diese autochthone Sorte, andernorts als Schiava bekannt, findet hier ihre perfekte Heimat. Trollinger-Weine zeichnen sich durch ihre leuchtend rubinrote Farbe, lebendige Säure und charakteristische Kirsch- und Erdbeeraromen aus.
Die besten Trollinger entstehen in den warmen Lagen des Neckartals, wo sie eine angenehme Balance zwischen Fruchtigkeit und Struktur entwickeln. Modern vinifiziert, entstehen Trollinger von überraschender Eleganz, die das Klischee des "schwäbischen Landweins" längst hinter sich gelassen haben.
Lemberger - Der kraftvolle Charakter Der Lemberger (Blaufränkisch) hat sich zum Qualitätsbotschafter des württembergischen Rotweins entwickelt. Diese spätreifende Sorte bringt bei optimaler Reife Weine mit toller Struktur und Komplexität hervor.
Typische Lemberger zeigen eine tiefe, dunkle Farbe und ein Aromaspektrum von dunklen Beeren über Gewürze bis zu erdigen Noten.
Spätburgunder - Burgundische Eleganz Der Spätburgunder hat in Württemberg eine lange Tradition und erreicht in den kühleren Lagen eine hervorragende Qualität. Die württembergischen Spätburgunder zeichnen sich durch ihre Eleganz, Finesse und charakteristische Pinot-Aromatik aus.
Besonders in höheren Lagen und auf kalkreichen Böden entstehen Spätburgunder mit seidigen Tanninen und komplexer Aromatiefe.
Weißweine - Elegante Vielfalt
Riesling - Der kristalline Klassiker Die Brüder Aldinger setzten sich 2024 gegen starke Konkurrenz aus knapp 250 trockenen Rieslingen durch und gewannen den Riesling Cup, was die Qualität württembergischer Rieslinge eindrucksvoll belegt.
Württemberger Rieslinge profitieren von der südlichen Lage und entwickeln eine große Fülle bei gleichzeitiger Eleganz. Die mineralischen Böden verleihen den Weinen Präzision und Langlebigkeit.
Weißburgunder - Cremige Vollendung Der Weißburgunder hat sich zur zweiten weißen Leitsorte entwickelt. In den tiefgründigen Lössböden des Remstals entstehen Weißburgunder mit einer gewissen Cremigkeit und Komplexität.
Kerner - Württembergische Innovation Als Kreuzung aus Trollinger und Riesling repräsentiert der Kerner württembergische Innovationskraft. Die Weine zeigen eine attraktive Muskateller-Note und eignen sich sowohl für trockenen als auch edelsüßen Ausbau.
Rosé und Schaumweine - Moderne Interpretationen
Rosé - Fruchtige Leichtigkeit Württemberger Rosés, hauptsächlich aus Trollinger und Spätburgunder, bestechen durch ihre Frische und Fruchtigkeit. Sie verkörpern moderne, unkomplizierte Weinkultur bei hoher Qualität.
Sekt - Perlende Tradition Württemberger Sekt wird oft als fein und anhaltend moussierend beschrieben, mit Aromen von grünem Apfel und Zitrusfrüchten. Die traditionelle Flaschengärung und die Verwendung regionaler Grundweine schaffen Sekte von eigenständigem Charakter.
Bekannte Weingüter
Die Spitzenriege - VDP-Güter und Qualitätsführer
Weingut Aldinger, Fellbach Aldinger gilt weiterhin als "eine Klasse für sich" und gewann 2024 erstmals den Riesling Cup für Baden-Württemberg. Das Weingut der Brüder Matthias und Hansjörg Aldinger hat sich zum Aushängeschild württembergischen Weinbaus entwickelt.
Die Aldinger-Weine zeichnen sich durch ihre kristalline Klarheit und Terroirauthenthizität aus. Besonders die Rieslinge von den Fellbacher Lämmler-Terrassen und die Lemberger aus Steillagen setzen internationale Maßstäbe. Gert Aldinger wurde mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet, was die gesellschaftliche Anerkennung der Weinbauarbeit unterstreicht.
Weingut Rainer Schnaitmann, Fellbach Schnaitmann gilt als einer der Pioniere der württembergischen Qualitätsrevolution. Rainer Schnaitmann hat mit seinem kompromisslosen Qualitätsanspruch und dem Mut zu innovativen Wegen neue Standards gesetzt.
Das Portfolio reicht von kristallklaren Rieslingen bis zu international gefeierten Spätburgundern. Besonders die präzise Terroirarbeit und der behutsame Ausbau im Keller prägen den unverwechselbaren Stil des Hauses. Die Weine zeigen eine bemerkenswerte Langlebigkeit und entwickeln sich über Jahre hinweg.
Weingut Graf Neipperg, Schwaigern Graf Neipperg repräsentiert württembergischen Weinbau in seiner historisch gewachsenen Dimension. Philipp Graf Neipperg führt das traditionsreiche Gut mit über 400-jähriger Geschichte in die Moderne.
Besonders gefeiert werden die Großen Gewächse aus Lemberger und Spätburgunder, die das durchaus vorhandene Reifepotenzial württembergischer Spitzenweine demonstrieren. Das Weingut verbindet auf einzigartige Weise historisches Erbe mit modernem Qualitätsbewusstsein.
Weitere Qualitätsführer
Weingut Graf Adelmann, Kleinbottwar Auf der imposanten Burg Schaubeck thront eines der geschichtsträchtigsten Weingüter Württembergs. Das Weingut Graf Adelmann verbindet jahrhundertealte Tradition mit modernem Qualitätsstreben. Besonders die Rotweine des Hauses genießen einen exzellenten Ruf: Der Lemberger "Grafen" gilt als Ikone der Region, während die Spätburgunder durch Finesse bestechen.
Weingut Dautel, Bönnigheim Die Familie Dautel hat sich nicht nur durch exzellente Weine, sondern auch durch ihr Engagement für nachhaltigen Weinbau einen Namen gemacht. Ihre Lemberger und Spätburgunder zählen zu den Referenzweinen der Region und beweisen eindrucksvoll das Potenzial württembergischer Terroirs.
Weingut Karl Haidle, Kernen-Stetten Karl Haidle zählt zu den besten Winzern Württembergs und hat sich besonders mit seinen Weißweinen einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Die Rieslinge und Weißburgunder des Hauses zeigen exemplarisch das Potenzial württembergischer Weißweine.
Weingut Wöhrwag, Stuttgart-Untertürkheim Wöhrwag gehört zu den renommierten Stuttgarter Weinbaubetrieben und repräsentiert urbanen Weinbau auf höchstem Niveau. Die Weine vom Rotenberg und anderen Stuttgarter Spitzenlagen zeigen die Qualität innerstädtischen Weinbaus.
Neue Generationen und Aufsteiger
Seehaldenhof (ehemals Hornstein) Der Seehaldenhof steigt auf und repräsentiert die neue Generation württembergischer Winzer, die mit frischen Ideen und hohem Qualitätsbewusstsein die Region prägen.
Kurek - Newcomer mit Potenzial Kureks Premiere war ein Achtungserfolg und zeigt, dass die württembergische Weinszene kontinuierlich neue Talente hervorbringt.
Diese Weingüter stehen exemplarisch für die Qualitätsrevolution, die Württemberg in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat. Sie verbinden auf ihre jeweils eigene Art Tradition und Innovation, Handwerk und Moderne zu einem unverwechselbaren württembergischen Stil.
Kulinarische Traditionen und Speiseempfehlungen
Spätzle - Das schwäbische Nationalgericht
Was für Italien die Pasta, sind für Württemberg die Spätzle: handwerkliche Perfektion in Teigform. Die kunstfertig geschabten oder durch den traditionellen Spätzlehobel gedrückten Eiernudeln aus Hartweizengrieß, frischen Eiern und Wasser sind weit mehr als eine Beilage - sie sind Identität auf dem Teller.
Ihre charakteristische raue Oberfläche und die bissfeste Textur machen Spätzle zum idealen Partner für kräftige Soßen und herzhafte Gerichte. Ein traditioneller Lemberger mit seiner würzigen Art und strukturierten Tanninstruktur harmoniert perfekt mit diesem Klassiker der schwäbischen Küche und schafft eine authentische Terroir-Paarung.
Maultaschen - Schwäbische Raffinesse
Die kunstfertig gefalteten "schwäbischen Ravioli" verkörpern die Raffinesse der regionalen Küche. Der Legende nach entstanden sie in den Klöstern als findige Lösung für die Fastenzeit - daher auch der liebevolle Spitzname "Herrgottsbscheißerle".
Die Füllung aus Fleisch, Spinat, Zwiebeln und Gewürzen, umhüllt von hauchdünnem Nudelteig, wird traditionell in kräftiger Brühe serviert oder knusprig gebraten. Ein frischer Weißburgunder mit seiner cremigen Textur und eleganten Säure ergänzt die feinen Aromen der Maultaschen ideal, während ein junger Trollinger die gebratene Variante perfekt begleitet.
Kässpätzle - Schwäbischer Comfort Food
Wenn sich goldgelb geschmolzener Bergkäse mit knusprig gebratenen Röstzwiebeln über dampfende Spätzle legt, entsteht das Inbild schwäbischen Comfort Foods. Kässpätzle sind mehr als nur ein Gericht - sie sind Gemeinschaftserlebnis und Soulfood zugleich.
Die cremige Käsenote verlangt nach einem Wein mit lebendiger Säure als Gegengewicht. Ein charaktervoller Riesling aus württembergischen Steillagen mit seiner kristallinen Mineralität durchschneidet die Cremigkeit elegant und schafft eine harmonische Balance.
Zwiebelrostbraten - Krönung der schwäbischen Fleischküche
Der klassische Zwiebelrostbraten verkörpert schwäbische Kochkunst auf höchstem Niveau. Ein perfekt gebratenes Rindersteak wird von einer Krone knuspriger Röstzwiebeln überzogen, begleitet von handgeschabten Spätzle und einer kraftvollen, reduzierten Jus.
Zu diesem Festmahl brilliert ein kraftvoller Lemberger aus Steillage, dessen würzige Struktur und reife Tannine die Aromen des Fleisches perfekt ergänzen. Die erdigen Noten des Weins harmonieren mit den Röstzwiebeln, während die Säure die Reichhaltigkeit des Gerichts balanciert.
Regionale Wurstspezialitäten - Handwerkstradition
Die württembergische Wurstkultur ist legendär und reicht von der herzhaft-rauchigen "Roten Wurst" bis zur feinen "Schwarzwurst". Serviert mit hausgemachtem Kartoffelsalat - vorzugsweise mit Brühe angemacht, nicht mit Mayonnaise - und einem Glas würzigem Trollinger verkörpern diese Spezialitäten die bodenständige Genusskultur der Region.
Die Kombination von Wurst und Wein ist hier mehr als nur eine Mahlzeit - sie ist gelebte Tradition und Ausdruck regionaler Identität. Ein junger, fruchtiger Trollinger mit seiner natürlichen Säure und den charakteristischen Kirschnoten ergänzt die würzigen Wurstwaren ideal.
Besenwirtschaften - Authentische Weinkultur
Die über 60 württembergischen Besenwirtschaften öffnen zeitweise ihre Türen und verbinden authentische schwäbische Küche mit regionalen Weinen. Diese saisonalen Lokale, erkennbar am Besen über der Eingangstür, bieten die authentischste Form der württembergischen Wein- und Esskultur.
Hier werden einfache, aber qualitativ hochwertige Gerichte wie Presssack, Leberwurst mit Sauerkraut oder hausgemachter Kartoffelsalat serviert - immer begleitet von den Weinen des jeweiligen Weinguts. Diese ursprüngliche Form der Direktvermarktung schafft eine unmittelbare Verbindung zwischen Erzeuger und Verbraucher.
Tourismus und Veranstaltungen
Die Württemberger Weinstraße - 500 Kilometer Genusserlebnis
Das Herzstück des württembergischen Weintourismus bildet die 500 Kilometer lange Württemberger Weinstraße, die 2004 aus der historischen Schwäbischen Weinstraße hervorging. Diese perfekt ausgeschilderte Route schlängelt sich durch alle wichtigen Weinbaugebiete und verbindet malerische Weinorte, historische Sehenswürdigkeiten und kulinarische Highlights.
Die Weinstraße führt von Bad Mergentheim im Norden über das Remstal, das Neckartal bis nach Metzingen im Süden und erschließt dabei die schönsten Weinlandschaften der Region. Zahlreiche Aussichtspunkte, Rastplätze und Informationszentren machen sie zu einem perfekten Erlebnisweg für Weinliebhaber.
Weinfeste und Veranstaltungshighlights
Stuttgarter Weindorf (August/September) Das Stuttgarter Weindorf verwandelt alljährlich den Schillerplatz und die Kirchgasse in eine weinseelige Festmeile. Über 120 Weingüter und Genossenschaften aus ganz Württemberg präsentieren ihre besten Weine in authentischen Holzhütten. Mit über 450.000 Besuchern ist es eines der größten Weinfeste Deutschlands und bietet eine einzigartige Gelegenheit, die gesamte Vielfalt württembergischer Weine an einem Ort zu erleben.
Heilbronner Weindorf (September) Das Heilbronner Weindorf im historischen Stadtzentrum zieht jährlich über 100.000 Besucher an. In den liebevoll dekorierten Lauben präsentieren Heilbronner Weingüter ihre neuesten Jahrgänge in entspannter Atmosphäre.
Tübinger Weinfest (Frühjahr) Das Tübinger Weinfest in der malerischen Altstadt markiert traditionell den Auftakt der württembergischen Weinfestsaison. Die Verbindung von Universitätsstadt-Atmosphäre und Weinkultur schafft ein besonderes Flair.
Wengertertage (November) Den krönenden Abschluss des Weinjahres bilden die traditionellen Wengertertage, bei denen die Weingärtnergenossenschaften ihre Keller öffnen und zur Verkostung der neuen Jahrgänge einladen. Diese authentischen Veranstaltungen bieten einen direkten Einblick in die württembergische Genossenschaftstradition.
Historische Weingüter und Sehenswürdigkeiten
Burg Schaubeck - Weingut Graf Adelmann Die mittelalterliche Burg thront majestätisch über dem Neckartal und beherbergt eines der traditionsreichsten Weingüter Württembergs. Die historischen Gewölbekeller bieten nicht nur ideale Lagerbedingungen, sondern auch eine einzigartige Atmosphäre für Weinverkostungen und Veranstaltungen.
Kloster Maulbronn - UNESCO-Welterbe Das vollständig erhaltene Zisterzienserkloster dokumentiert eindrucksvoll die Rolle der Mönche in der Weinbaugeschichte. Die mittelalterlichen Kelleranlagen und die noch heute bewirtschafteten Weinbergterrassen erzählen die Geschichte des württembergischen Weinbaus.
Schloss Ludwigsburg Das barocke Residenzschloss mit seinen prächtigen Gärten bildet eine eindrucksvolle Kulisse für Weinveranstaltungen und dokumentiert die Bedeutung des Weinbaus für die württembergischen Herzöge.
Staatsweingut Weinsberg Als Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau fungiert Weinsberg als Zentrum der württembergischen Weinbauforschung. Führungen und Verkostungen bieten Einblicke in moderne Weinbautechnik und Züchtungsarbeit.
Aktiver Weintourismus
Württemberger Weinwanderwege Ein Netz von über 20 thematischen Weinwanderwegen durchzieht die Region. Der "Württemberger Weinpanoramaweg" bietet auf 350 Kilometern spektakuläre Aussichten und führt durch die schönsten Weinlandschaften. Der "Neckartal-Radweg" verbindet auf 370 Kilometern alle wichtigen Weinorte entlang des Neckars.
Weinerlebnispfade Interaktive Lehrpfade vermitteln Wissen über Weinbau, Rebsorten und Kellertechnik. Besonders der "Trollinger-Lehrpfad" bei Heilbronn und der "Riesling-Pfad" im Remstal sind bei Weininteressierten beliebt.
E-Bike-Touren Moderne E-Bike-Verleihstationen ermöglichen entspannte Touren durch die hügeligen Weinlandschaften. Geführte Touren kombinieren Weinbergbesichtigungen mit Verkostungen direkt beim Erzeuger.
Moderne Weinkultur und Vinotheken
WeinErlebnisWelt Stuttgart Die zentrale Anlaufstelle für württembergische Weinkultur bietet ganzjährig Verkostungen, Seminare und Events. Über 300 verschiedene württembergische Weine sind hier verfügbar.
Vinotheken und Weinbars Moderne Vinotheken in Stuttgart, Heilbronn und anderen Weinorten präsentieren württembergische Weine in zeitgemäßer Atmosphäre. Die "Vinothek im Alten Rathaus" in Bad Cannstatt oder die "Württemberger Weinbar" in Fellbach haben sich zu wichtigen Anlaufpunkten für Weinliebhaber entwickelt.
Digitale Angebote Apps wie der "Württemberg Wein-Guide" bieten digitale Touren, Weingutsinformationen und ermöglichen Online-Buchungen von Verkostungen. QR-Codes in den Weinbergen verlinken zu detaillierten Informationen über Lage, Rebsorten und Winzer.
Quiz
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